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Die PsionWelt-Kolumne - Archiv 2003 |
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Die Bilderfalle Ich bewundere noch heute meine Großmutter. Im Fundus des Nachlasses findet sich heute bei meiner Mutter ein Kästchen, nicht größer als ein Kinderschuhkarton. Der Inhalt: Die Bilder eines Lebens. Einer ganzen Familie. Ich erinnere mich, dass wir als Kinder immer wieder bei Familienfeiern um diese Bilder saßen und uns vom Ort Heina (ich war nie dort) und Onkel Friedrich oder vom Ausflug zur Wasserkuppe erzählt wurde. Und noch heute erzählt meine Mutter mit den immer gleichen Sätzen, was damals passierte, wo das Hotel stand, wie man den Berg hochlaufen musste, wer mitgefahren war. Es sind feste Geschichten, die mit den Bildern verknüpft sind. Die Bilder, schwarzweiß, oftmals unscharf und absolut ohne jeglichen künstlerischen Aspekt, sind abgegriffen und vergilbt. Die wenigen farbigen Bildern, sieht man das Kodakchrome-Verfahren an, die Farben wirken heute unnatürlich grell und mit wenigen Abstufungen. Doch die Aussagekraft der Bild erscheint mir um ein vielfaches stärker, als alles, was ich heute fotografiere. Ein Leben in Bildern in einer Schachtel. Die ältesten Bilder so um die 90 Jahre alt. Wie viele Bilder werden es sein. Viele, aus der Kriegszeit, sind nur 4,5 Zentimeter groß, nur mit der Lupe kann man die Gesichter gut erkennen. So 100 Bilder werden es sein. Ein Leben, erzählt aus 100 Bildern. --- Ich bin im Urlaub. Schon immer hatte ich einige Dutzend Filme dabei. 300, 400 Dias in vier Wochen waren da keine Seltenheit. Übrig geblieben sind dann meist 50, 60 Dias, die man den Lieben daheim zumuten konnte. Schränkeweise Dias. Der Keller ist voll damit. Schlimm die Angst, sie zu verlieren, durch Feuer, Überschwemmung, Pilz. Angeschaut haben wir sie aber schon lange nicht mehr. Seit 6 Jahren fotografiere ich digital. Und die Bilderflut ist ins schier Unermessliche gestiegen. Mittlerweile sind 9 Gigabyte an Bildern geknipst. Im Ordner "Best of", sozusagen dem Schuhkarton, sind trotzdem 1.000 Bilder. Und das in nur 6 Jahren! Wenn ich das bis zu meinem Lebensende hochrechne - nein lieber nicht. Und der Bilderwahn wird stärker. Die Handybilder, Digifotos, Camcorder sorgen in jeder Familie zu einem wachsendem Speicherbedarf. Überall wird geknipst, das Handy ist überall dabei, jede Sequenz des Lebens wird vieltausendfach geknipst. Jeder Aspekt des Lebens festgehalten. Wer will jemals all die Bilder durchforsten? Wird sich jemals eine Familienfeier um meinen "Schuhkarton" setzen und Geschichten dazu erzählen? Gehen nicht die Geschichten mit der Masse der Bilder verloren? Mit der Flut der Bilder werden wir ärmer. Schaffe ich es vielleicht eines Tages, von einem ganzen Urlaub EIN Bild aufzuheben, und mich damit an den ganzen Urlaub zu erinnern? Nicht das BESTE Bild, manchmal ein unscharfes, aussageloses, verwaschenes Bild.
Noch mehr erschreckt mich mein Wahn, mit dem Camcorder alle Geschehnisse festzuhalten. Geburtstage, Feiern, Auftritte, die Kinder. Gigabyte um Gigabyte wächst der Bestand. Geschnitten, vertont, archiviert. Wer wird jemals alle Filme, die in Deutschland in einem Jahr gedreht werden ansehen? Wer interessiert sich in 100 Jahren für all das?
Als ich gestern nacht träumte, war es eine verrückte Utopie, die mir in den Sinn kam. In einer fernen Zukunft: Wissenschaftler interessieren sich für die Lebensweise ihrer Vorfahren. In einem gigantischen Zentralarchiv lagert der gesamte Bilder und Videospeicher eines gesamten Jahrhunderts. Das 21. Jahrhundert auf einem einzigen Datenspeicher, so groß, wie eine Schuhschachtel.
Doktor Schmifti durchforstete Bild für Bild. Nicht immer verstand er die Zusammenhänge, oft gab es Gerätschaften, deren Verwendung er nicht einmal erahnen konnte. Schon zwei Wochen saß er vor seinem Schirm und Bild um Bild reihte sich aneinander. So kam er nicht weiter. "Das Wissen ganzer Generationen schlummert hier und doch fehlt der Zusammenhang", verärgert schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch "hätten die sich nicht auf das Wesentliche konzentrieren können?" Sein Kollege, Dr. Tulli, schaute erstaunt auf. "Warum nutzen sie nicht den Suchroboter" fragte er den verärgerten Dr. Schmifti. "Richtig instruiert durchsucht er den Fundus binnen weniger Stunden" "Das ist mir wohl bekannt", Dr. Schmifti rückte seinen Stuhl zurecht, "dass ich einfach eingrenzen kann: Erwachsene, Feier, trinken, Flaschen auf dem Tisch, Nacht, geschlossener Raum und es sind trotzdem noch 20 Millionen Bilder. Das bringt mir nichts." "Sie können doch auch die intelligente Suche probieren. Erzählen sie dem Robot doch einfach den Zusammenhang und er findet Bilder, die dazu passen" Dr. Tulli schnappt sich das Mikrofon von Dr. Schmifti. "Dann bleiben höchstens noch 20.000 Bilder" Dr. Schmifti ist immer noch nicht zufrieden. "Ist ja schön und gut, aber dann kommen noch die ganzen Videos. Da benötige ich Jahre, bis ich das Sozialverhalten dieser Leute an einem Samstagabend verstanden habe. Ich frage mich immer noch, ob es nicht einfach eine bestimmte Uhrzeit gab, ab der man auf den Tischen tanzen musste. Das würde vieles erklären. Ab 2300 ist das viel einfacher. In jedem umbauten Raum und auf jedem Platz gab es eine 3D-Kamera, die jedes Geschehen in jedem Zimmer auf der gesamten Welt für die staatlichen Archive scannte. Das sind zwar viel größere Datenmengen, als dieser mickrige Schuhkarton, aber die wurden zum Zeitpunkt der Aufnahme sofort archiviert, betitelt, mit den Namen der beteiligten Personen versehen, und gegebenenfalls sofort an die Ordnungsbehörden oder die Geschichtsschreiber weitergeleitet. So kann man das Wesentliche sofort erkennen. Außerdem brauchte keiner mehr so blödsinnige Geräte mit sich herumschleppen. Wenn man später ein Bild oder ein Video haben möchte, kann man das aus jeder Richtung heraus nachträglich und in Ruhe tun. Dieser ganze Individualismus im 21. Jahrhundert ist ja eh das allerletzte und dann auch noch die unterschiedlichen Formate und jeder durfte speichern, wie und wo er wollte. Unglaublich. Und der Staat verdiente nicht mal an jedem Bild. Gut dass wir da heute eine Bildersteuer haben." Dr. Tulli schaut zufrieden zurück "Sind wir doch froh, dass die damals so ein Chaos hinterließen, sonst wären wir heute auch arbeitslos!" ---- So ganz zufrieden stellt mich dieser Ausblick ja nicht, aber wer rechnen kann, wird mir Recht geben, dass wir in einigen Jahren ein echtes Problem bekommen werden. Oder es wird vielleicht ein Verfallsdatum für Digitalbilder geben. "Bild wird nach 12 Monaten NICHTBETRACHTUNG automatisch gelöscht!" Jürgen
Rode Sonntag, den 15. Juni 2003 Habt Ihr es bemerkt? Als abgehoben galt ich vor einigen Jahren. Ich wußte was "surfen" ist. Holte meine eMails ab - täglich! Und benutzte meinen Psion um meine Adressen,, Telefonnummern und Termine zu verwalten. Nicht viel später wunderten sich die Leute darüber, daß ich wild auf dem riesigen Display meines 5er rumhämmerte - Touchdisplay - Wow! Mobil online gehen, sozusagen "wireless" war ein für mich alter Hut. Die gleichen Menschen, die mich auf Party's belächelten oder verfluchten, treffe ich heute und sie erzählen mir beiläufig ihre Erfahrungen mit dem Internet, PDA oder WLan. Wie unser Dekan, der noch in einer Predigt Computerspiele verfluchte und seit Winter das Spiel Anno 1603 nächtelang spielt und sich als süchtig bezeichnet. Er lächelt dabei, als er es erzählt. So schnell verändern sich die Menschen. Waren wir vor Jahren nur Freaks, eine Handvoll Enthuisiasten, die teilweise mühsam neue Wege bestritten, nutzen heute breite Bevölkerungsgruppen moderne Technik. Der Siegeszug des Handys, der DVD, des Internets ins private Alltagsleben hat längst stattgefunden. Völlig normal ist heute, was vor wenigen Monaten noch kaufkraftstarken Kreisen vorbehalten war: Internethandys, Handy-PDA's, PDA-Handys, wie immer man sie umschreiben will. Schau ich mich im Redaktionsumfeld von Psionwelt um, ist man schon hintendran, wenn man kein P800 besitzt. Wenigstens einen Zaurus sollte man zwischendurch mal haben, wenigstens Linux, wenn schon kein Epoc/Symbian-Betriebssystem. Abwohl, bei aller berechtigten Abneigung gegen bestimmte absturzgefährdete Betriebssysteme, im Endeffekt machen nicht die User die Entwicklung aus. Das Beispiel Psion, Apple, und derzeit Sharp mit dem Zaurus, zeigt immer wieder, das Fehler beim Produktplacement ein vorzeitiges Aus des Produkts bedeuten kann, obwohl es nach Meinung der User, besser ist als das Konkorrenzprodukt. Viele Unternehmen unterschätzen ihre Potenziale ebenso, wie andere ihre schlechten Produkte mit viel Werbeaufwand pushen und zum Ergolg führen. Der User bleibt im Zweifel auf der Strecke. Wehmutig blickt ein mir bekannter Ipaq-User auf seinen 5er zurück. Zwar kann er jetzt Videoclips (in magerer Qualität) anschauen und bekommt täglich neue, teuere Sharewareangebote, aber, so richtig arbeiten konnte er eigentlich nur mit dem alten Psion. Ein Blick in das PW-Forum bestätigt diese Erfahrung. Schon horten eingefleischte User Ersatz-Psions. Eine echte Alternative gibt es auf dem gesamten PDA- und Handymarkt derzeit nicht. So holt mich nach und nach die Entwicklung ein und mangels Masse kaufe ich mir kein P800 für hunderte von Euros. Obwohl es mich gewaltig jucken würde. Die Screenshots von Wetterbildern, die mir Egon aus der Schweiz schickt, mit entsprechender Bewertung der Wettersituation in den Alpen - oh, hätt' ich doch nur Lotto gespielt. Bleibt mir nur, die längst beantworteten Fragen in der Psi-Fragen-Datenbank durchzusehen, ob sich etwas geändert hat. Manche Einwahl kann ich löschen, weil es den Provider gar nicht mehr gibt - ach, ich könnte ja eine P800-Fragen-Datenbank erstellen, wenn ich denn eines hätte. (Anmerkung der Redaktion: Es gibt noch keine P800-Datenbank-Applikation, lieber Jürgen, Dir zum Troste) Also lasse ich mich von der Entwicklung überholen, habe nicht das neueste Spielzeug, aber damit auch keinen Ärger und folglich mehr Zeit, meine Arbeit gezielt zu erledigen. Aber es juckt gewaltig in den Fingern. Na wartet, das P950 kaufe ich mir dann auch wieder, oder den Zaurus mit Symbian oder das Ericsson xyz. Und dann bin ich wieder vorne mit dabei und freue mich darauf, Fehler zu finden, zu lösen oder Workarounds zu beschreiben. Bis dahin bleibts beim Psion 5mx... Jürgen Rode -psionwelt- Wir waren unserer Zeit
voraus... Weiberfastnacht, Alle Jahre wieder, denken jetzt die langjährigen Leser dieser Seite bestimmt. Da hat er wieder in der Sektbar sich die Nacht um die Ohren geschlagen, siehe Kolumne 2002, 2001, 2000 usw. Nix da, Vielleicht erinnert ihr euch wirklich noch an die Jahre, an denen ich mit dem Psion auf die Weiberfastnacht zog und die Namen der Mädchen, mangels eines guten Namensgedächtnisses, mit dem Psion zusammen herausfand. Oder auch gleich die Adressen eingetippt, immer auf dem neuesten Stand. Dann kamen die Jahre, in denen ich direkt aus Sektbar Digitalfotos via Psion und Handy an die Redaktion verschickte und damit vielen großen Printmedien voraus war. Aber nun das. Da stehen sie, die jungen
Wilden, Direkt von Party zu Party werden die Bilder geschickt, die Werbung hat es ja längst vorgemacht. Da ein Siemens, da ein Sony, auf alle Fälle meistens Symbian, aber das wissen die nicht mal. Und wenn das nicht schon
schlimm genug wäre, Es dauerte Jahre, bis in der Psion-Mailing-Liste die erste Frau auftauchte, im Forum waren es anfänglich nur wenige, freundlich hofierte Damen gewesen. Und nun das: Nicht nur das Weiberfastnacht ist, nein, offenbar haben jetzt auch die Frauen die Oberhand in der Technik gewonnen. Aber zurück zur Sektbar: Hier ein Foto, da eins. Ein Bussi von Klaus, Nadine mit Roland, Prinz Karneval knutscht Rosi – und ab per MMS oder einfach für morgen gespeichert. Ganz selbstverständlich. Und handlich. Auch unter dem hauchdünnen Kleid meines Engelchens zu verstauen (ja, die drei vom letzten Jahr waren wieder da. Völlig unoriginell im gleichen Kostüm – aber sehr nett anzusehen :-) O.k., mein Equipment vor einigen Jahren war zwar um ein vielfaches größer, aber zu seiner Zeit winzig. Das bedeutet wohl, daß wir in weiteren fünf Jahren die Wireless-Webcam in der Brillenfassung eingebaut haben. Mit einer Selbstverständlichkeit gehen die Benutzerinnen mit der Technik um, die früher schon einen Freak benötigte. Wir waren unserer Zeit voraus. Wir haben die Trends vorbestimmt und neue Wege beschritten und es ist uns gar nicht aufgefallen, wir schnell die Entwicklung uns überholt. Jetzt sind wir bei P800 und SX1 angekommen und all die Neuerungen fallen uns gar nicht ins Auge, weil wir sie seit Jahren schon gewohnt sind. Einzig die Größe der Geräte ändert sich. Da wundert mich eigentlich nur, daß Psion nicht längst weitere, große Erfolge in der Industrie vorweisen kann. Ein später Fingerzeig ist ja die Verwendung des netBook bei der Schweizer Bahn. Aber auch das beste Produkt nutzt nichts, wenn Managementfehler im großen Stil gemacht werden. Nun ist es also soweit, unsere Spielzeuge sind erwachsen geworden und für jeden bedienbar. Die Verschmelzung verschiedener Geräte zu einem (Palmtop und Handy), daß mit Zusatzgeräten erweitert wird (Foto, GPS) scheint die Zukunft zu sein. Schön, Keine beäugt mehr meine Ausrüstung, zu normal sind Psion und Co. mittlerweile. Zumindest ich habe meine Lösung gestern bei der Weiberfastnacht gefunden. Völlig nackt, Eine wunderbare Nacht,
tanzend, mit wunderbaren Frauen verbracht In der Sektbar mich fotografieren lassen und die Bilder zur Erinnerung bekomme ich als Mail. So schön kann Weiberfastnacht sein – unbelastet von aller Technik. Erinnert mich an einen
Spitzenmanager, Einziger Wermutstropfen
dabei: Ich konnte meiner Frau heute morgen nicht sagen, Macht nix. Am Aschermittwoch ist eh alles vorbei... Helau |
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