Die PsionWelt-Kolumne - Archiv 2002


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Nikolaus
Freitag, den 06. Dezember 2002

Als kleiner Junge habe ich immer zu dem großen, roten Mann hoch geschaut, mit ein wenig Angst vor der Rute, aber in der Gewissheit, daß meine Familie hinter mir saß und zu mir hielt, auch wenn der Mann schimpfte. Meist war es ja nicht so schlimm und in der Regel bekam ich dann eine Tüte mit Süßigkeiten und durfte zurück in den Schoß der Familie. Meine Oma und Opa saßen dann auf der Couch, hatten leuchtende Augen und lächelten selig und meine Schwestern und ich waren froh, daß wir es wieder gemeinsam geschafft hatten.

Jahre später habe ich dann erst gemerkt, wie wichtig es ist eine solche, sicherheitsspendende Gemeinschaft hinter sich zu wissen. Die Familie und manchmal noch viel wichtiger, die Freunde.
Freunde, die zu einem stehen, egal was passiert.
Freunde, die einem auch mal sagen dürfen, daß man Mist gemacht hat.
Freunde, die ich manchmal Jahre nicht treffe, und wenn wir uns sehen, mit dem letzten Satz unseres letzten Treffens einfach weiterreden.

Bei manchen sind das immer Frauen oder immer Männer, andere haben sowohl männliche, als auch weibliche Freunde, viele haben gar keine.
Im Englischen unterscheidet man da sorgfältig zwischen Freunden und sexuellen Freunden. Denn das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. So ist meine beste Freundin eine Frau und obwohl ich ein Mann bin, hat Sex da keinen Raum. Dafür um so mehr Gefühl.
Und das ist immer dann wichtig, wenn der Andere einen braucht. Keine Ahnung, wie das funktioniert, manchmal weiß ich einfach, daß ein Freund mal wieder einen Anruf braucht und Freunde von mir ahnen wohl dasselbe bei mir, oder lesen es zwischen den Zeilen aus einem Mail.

So haben wir uns vor vielen Jahren gefunden. Keiner weiß mehr so recht, wie es kam, aber die Psionwelt Mannschaft ist so ein verrücktes Konstrukt, daß mehr als eine bloße Arbeitsgemeinschaft ist. Die Hauptmacher sind da nicht alleine, insgesamt sind das rund 15 Männer, die um Psionwelt mitmischen. Jeder erzählt mal von sich, meist wissen die anderen, was gerade so bei den einzelnen los ist und vieles auch nicht, aber es ist erschreckend, wie wir uns füreinander einsetzen, wenn es nötig ist. Mit Rat, aber auch mit Tat. Das verrückteste daran: Einige davon habe ich auch nach 5 Jahren noch nie persönlich getroffen und weiß doch mehr von Ihnen als von meinem Nachbarn. Warum das so gekommen ist?
Nicht wichtig.
Wichtig ist,
daß es Leute gibt, denen man nicht gleichgültig ist.
Und besonders dann, wenn es einem mal nicht gut geht,
man familiäre Probleme hat
oder krank wird,
dann sind die Freunde da.

Freunde, die ein kleines Stück Familie sind.
Wie hat es uns erschreckt, als einer von uns mit dem Herz Probleme bekam. In keiner -echten- Familie kann es mehr Aufregung geben.
Und wie waren wir am Boden zerstört, als einer von uns starb.

Ein wenig wie die drei Musketiere sein. Alle für einen. Freundschaft leben.

Das besondere an der Psion Community ist doch, daß seit der Gründung der Psion Mailing Liste hier immer ein besonders freundlicher Ton herrscht. Nirgends ist mir das sonst so ergangen und ich kenne kein Forum, daß so viele freundliche Helfer hat. Freundschaftlich sind wir durch unsere Psions verbunden und wenn auch mal ein rüder Bruder auftaucht, ist der rasch verschwunden oder er hat den Ton gewechselt. Bislang hat es noch keiner geschafft den positiven Grundton hier zu verderben. Eine große Familie.
Schade nur, daß wir des Produkts wegen nicht weiterwachsen, zum Auslaufmodell werden. Doch unsere Freundschaft wird deswegen nicht auslaufen. Dazu ist sie zu einzigartig und wir sind es auch. Den Spirit der Psion-Gemeinschaft suche ich auch in anderen Foren und an anderen Plätzen. Finde ich ihn nicht, ziehe ich weiter oder wenn ich die Kraft finde, versuche ich mal darauf hinzuweisen. Wie mir ein schlauer Mann mal sagte: Stellen sie sich mal so einen Kotzbrocken vor, der stiehlt ihnen 10 Minuten ihrer Zeit und deswegen sind sie sauer. Machen sie sich nichts daraus. Bleiben sie freundlich. In 10 Minuten sind sie ihn los. Er muß sich aber sein ganzes Leben ertragen...

Echte Freundschaften gibt es selten, man muß sie schon suchen,
aber wenn man sie gefunden hat, dann geht es einem, wie dem kleinen Jungen, der vor dem Nikolaus steht: Man weiß, daß Freunde hinter einem stehen, die einen halten und beschützen und stark machen. Und wenn es denn sein muß, auch für seine Hinterbliebenen noch da und ein Halt sind.

So wie wir.

Jürgen Rode
p|s|i|o|n|w|e|l|t


Carpe diem,
Freitag, den 04. Oktober 2002

es gibt einige Übersetzungen dieses Lateinischen Sprichwortes. Die von Asterix und Obelix gefällt mir am besten: Genieße den Tag. (auch: Nutze den Tag)

Lebe jeden Tag, als sei es dein letzter, habe ich mal aus dem japanischen Kultroman Musashi für mich mitgenommen. Und daran orientiere ich mich. Das soll nun nicht heißen, dass ich immer damit rechne, morgen zu sterben, nein, alles was ich mache, mache ich so, dass ich damit zufrieden bin. Ansonsten lasse ich es gleich und bin damit auch zufrieden.

Ich arbeite z.B. 100% mit meinem Psion als PDA und bin damit zufrieden.

Witzig finde ich all die, die mittlerweile mehrere PDA`s mit sich herum tragen.

Den Palm / Casio / PocketPC für die Termine, den Psion für die professionellen Anwendungen und am besten noch ein Subnotebook zum surfen oder für Updates.

Das gibt es nicht? Na, da habe ich aber gerade bei den letzten Tagungen und Seminaren anderes gesehen. Noch ein neues Handy mit Terminplaner und Kamera dazu und der „Businessman“ ist fertig.

Zum Schreien.

Spätestens wenn die Jungs oder Mädels anfangen die Daten von einem zum anderen zu schaufeln, oder aber konkret etwas konstruktives machen wollen, was sie nicht jeden Tag machen, dann geht der Spaß los.

Da wird getüftelt und geflucht. Gelöscht und geöffnet, Programme neu installiert und irgendwann geben sie auf, rufen vielleicht den Kollegen an oder den Sekretär / die Sekretärin.

Aber nett sieht es aus, das ganze Equipment. Schön bunt. Und teuer!

Es ist doch schon kompliziert genug sich nur mit einem Gerät so gut auszukennen, dass man die meisten Aufgaben bewältigen kann. Ohne Hilfe und zusätzliche Mittel. Zumindest mein Psion und ich sind da auf meine persönliche Situation und meine Arbeit hervorragend abgestimmt. Irgendwann wird vielleicht auch für mich der Zeitpunkt kommen, neues auszuprobieren, doch bis es so weit ist, nutze ich die Möglichkeiten des Psions so weit es irgend geht.

Natürlich ist das nur die halbe Wahrheit. Auch ein wenig Angst steht dahinter. Auf irgendein System umzusatteln und dann, nach einigen Jahren, vielen Investitionen, streicht die Produktionsfirma wieder mal die Segel und man steht vor einem Scherbenhaufen. Soweit ist es noch nicht, aber auch nicht so weit entfernt.

Bis dahin wird mein Psion weiter funktionieren, so wie er es die letzten drei, vier Jahre getan hat. Und zur Sicherheit werde ich mir ein Zweitgerät in die Vitrine legen – für Notfälle. Schließlich will ich nicht ohne Hirn leben.

Aber um auf das Carpe diem zurückzukommen: Vergangene Woche hörte ich einem Motivationstrainer zu und bemerkte, wie sehr ich eigentlich seinem Ziel schon jetzt folge: Wenn man sich entscheidet, dann konsequent – ohne wenn und aber und ohne sich hinter her zu ärgern.

Tue es und genieße es, aber tu nur, was du wirklich tun willst und auch vertreten kannst. Sonst lass es.

Und wenn Du eine Entscheidung getroffen hast, dann steh dazu.

Dann kann man auch mit jeder Zelle genießen, sich mit allem was man hat freuen, oder weinen. Himmelhochjauchzen oder auch am Boden zerstört sein. Aber immer mit allem was man hat.

Nur dann findet man Zufriedenheit – auch im Alltag und im Job, in der Liebe oder beim Sex.

Das bedeutet aber auch, dass man durchaus mal egoistisch sein darf, doch übertreibt es mir nicht!

Pur sangen mal: „Wo sind all die Indianer hin, wann verlor das große Spiel den Sinn“

Kinder haben diese Gabe, sich voll auf etwas zu stürzen, sich dem dann voll hinzugeben, in vollen Zügen zu genießen, oder unendlich betrübt zu sein um im nächsten Augenblick mit großen Augen sich wieder zu freuen. Immer 100%. So waren auch unsere Vorstellungen, Ideale, Ziele. Unkompliziert. Konsequent. Nicht immer logisch. Irgendwann betraten wir wohl alle die Welt der „Erwachsenen“ und lernten schon mit 50% zufrieden zu sein, hetzten den Idealen anderer hinterher und probierten immer Neues aus, nur um noch einmal das Gefühl, daß wir als Kind oder Jugendlicher verloren hatten, zu finden. ES IST möglich wieder anzuknüpfen an die Zeit als Indianer – so weit weg sind wir gar nicht gerannt. Es braucht nur ein wenig Mut. Mut, eingefahrene Wege zu verlassen – dann aber mit Überzeugung und ohne Scham – es ist so einfach ein großes Kind zu sein. Man fällt zwar auf, aber eigentlich sind die Anderen nur neidig. Vertraut mir, es geht...

Bin auf dem Flug vom Mars nach Hause.
Freitag, den 06. September 2002

Liebe Psioten!

Ich schwebe gerade vor irgendeinem Asteroiden, die Erde ist noch weit. Drehe mich um und schaue hinter mich und sehe den Mars kleiner werden. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich der Erde wieder nahe komme. Noch ist sie nur als kleiner Punkt weit, weit voraus zu erkennen.

Ich beschleunige und schon rasen die Sterne an mir vorbei, die Erde rückt in den Mittelpunkt des Fensters und wird langsam größer.

Da ist sie. Der blaue Planet. Noch kann man kein Land erkennen. Nur blaues Wasser und weiße Wolken, die sich langsam über die kleine blaue Kugel bewegen.

Nur einmal die Welt aus dieser Sicht sehen, schon immer habe ich mir das gewünscht. Als kleiner Junge war es ein Traum, gelebt in Hunderten von Büchern und Romanen. Von Perry Rhodan bis Asimov. Von Heinlein bis Wells. Alles habe ich verschlungen, was nur irgendwie mir Raumfahrt und Zukunft zu tun hatte. Computer waren da noch ein Fremdwort und die Phantasie den Fernsehfilmen weit überlegen.

Jetzt stehe ich einige hunderttausend Kilometer von der Erde entfernt im Raum und schaue auf die Erde herab.

Wie schön sie ist. An den Rändern glitzert die Atmosphäre. Sauber und unverdorben sieht sie aus. Alles ist recht.

Doch leider trügt der Schein. Schon rüstet man wieder zum Krieg, sterben Menschen. Panzer werden aufgefahren, Kriegsschiffe kreuzen über die Meere, Raketen werden in Stellung gebracht.

Dort hinten stehen Hunderte Quadratkilometer Land unter Wasser und Tausende Menschen ersaufen jämmerlich in den Fluten des roten Flusses. Ein Wirbelsturm bahnt sich seine Bahn durch von Menschen bewohntes Gebiet. Dürre herrscht in Afrika. Und wo noch gutes Land Leben hervorbringen könnte, werden die Menschen von Mienen zerfetzt.

Auf den Straßen der Städte herrscht Krieg. Junge Menschen bewaffnen sich. Zerstörung. Gewalt. Blut. Tod.

Verpestet die Luft, vergewaltigt das Land. Gift frisst sich in jeden Organismus. Langsam.

Von hier oben sieht man davon nichts.

Aber man bekommt einen Begriff davon, um welche Nichtigkeiten sich vieles in unserem Leben dreht. Ein wenig mehr Toleranz. Manchmal nur ein gutes Wort. Eine gute Tat.

Von jedem Menschen.

Würde helfen.

Könnte Würde geben.

Auch dem der bekommt.

Lasst die Bushs und Husseins dieser Welt doch mal durchs All reisen.

Langsam. Lasst sie all die Schönheit des Universums sehen. Die Planeten und Galaxien.

Lasst Sie die Schöpfung sehen und vielleicht könnten Sie die Entwicklung stoppen.

Die Menschheit neu entwickeln.

Ich fliege an der ISS vorbei, sehe Hubble vorbeirasen, bevor mein Weg mich zur Erdoberfläche bringt.

Doch, nein, ich will noch nicht zurück. Lasst mich noch einmal durch das Universum fliegen, auch wenn es nur am Computer ist, mein Kopf weiß es schon, mein Herz will es nicht wissen.

Adieu

Jürgen
p|s|i|o|n|w|e|l|t

P.S.: Nein er ist nicht verrückt geworden, aber er hat Celestia entdeckt. Ein Freeware-Programm zur Simulation des Universums. Am besten mal im Programm die Demo starten, dann versteht ihr schon. Leider gibt es das nicht für den Psion. Hier die URL: http://ennui.shatters.net/celestia/index.html


Alte Freunde
Freitag, den 30. August 2002

Einen Nutzen, den die Psions uns Usern ebenfalls brachten, hat man meines Erachtens bislang viel zuwenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Aber der Reihe nach.

Ich benutze elektronische Datenbanken schon seit vielen Jahren. Waren es Ende der 80er noch diese kleinen Taschenspielzeuge mit 80 Adressen und ohne Speichermöglichkeit, änderte sich in den 90ern mit den größer werdenden Speichern und dem Psion Serie 3 alles. Plötzlich war ich in der Lage Adressen von allen Freunden und Bekannten zu speichern, ohne auf die Anzahl der Datensätze zu achten. Täglich kamen Adressen dazu. Und um nichts zu verpassen machte ich mir sogar die Mühe alle Adressen unseres Schuljahrgangs abzutippen. Dann kamen die Vereine dran, alle die ich je auf einem Bumerangturnier traf wurden ebenso gespeichert, wie meine Mitazubis, Studenten, Chorsänger. Meist engagierte ich mich ganz automatisch in der Mitglieder Verwaltung, hatte ich doch eh die Leute gespeichert. Ob Kirche, Beruf, Seminar. Jeder und jede wurde erfasst. 

Besonders bei Seminaren war das witzig. Meist hängt man nach dem Mittagessen durch und so nahm ich mir regelmäßig die Teilnehmerlisten und tippte diese inklusive Bemerkungen zu den einzelnen Personen ab. Dies war dann besonders witzig, wenn man die Leute nach Jahren wieder traf und mit einem vertrautem Du anredete und nach den Söhnen und dem Fußballspiel ansprach. Die überraschten Gesichter waren das viele Tippen allemal wert.

Doch es kommt die Zeit, wo all diese Sammlungen einmal auch einen richtig sinnvollen Zweck erfüllen. Vielleicht liegt es am Alter, nennt es Lebenskrise, irgendwann beginnt wohl jeder sich einmal zu fragen: Was ist denn aus Dem-und-dem geworden?

Zu gerne würde man erfahren, was eine Jugendsünde wohl heute so macht (vielleicht ging´s ja noch mal :-) ) oder ganz harmlos: was machen die alten Schulkameraden.

Wohl dem, der gelernt hat in modernen Medien zu suchen und der mit seinem Psion alle Veränderungen, die man so mitbekommen hat, notierte. Auf Partys, Polterabenden, Betriebsfesten. Überall hört man was von dem und der. Besonders diese widerliche Angewohnheit, nach einer Hochzeit den Nachnamen zu wechseln, macht es dabei unnötig schwer, nach Jahren die Jugendliebe wieder zu finden.

So schlimm war es in meinem einen Fall dann doch nicht, ich suchte nur einen Schulkameraden. Via Psion hatte ich dann schnell seine alte Adresse und siehe, die Mutter meldete sich am Telefon – der Rest war ganz einfach.

Im zweiten Fall wurde es schon schwieriger. Das Mädel hatte geheiratet und den Namen des Gatten angenommen. Zumindest sagte mir der Psion noch den letzten Arbeitsplatz und sogar wo ich damals zum Polterabend hin bin. Offenbar war mir der werte Herr so unwichtig, dass ich nicht mal den Nachnamen notierte. So ein Mist. Nach einer Birgit in Buxtehude zu fahnden ist fast aussichtslos.

Na, dann benutze halt die tollen neuen Möglichkeiten des Computerzeitalters, eine Telefon CD.

Doch Fehlanzeige. Nach Vornamen und Ort lassen die sich nicht durchsuchen. Datenschutz heißt das Zauberwort. Also bin ich in Google rein und habe nach Birgit und Buxtehude gesucht.

Das solltet ihr übrigens auch mal machen, ihr werdet überrascht sein, was das Internet so über euch speichert. Wehe dem, der in einem Forum mal sein Leid über Hämorrhoiden klagte oder der seinem Nachbarn auf den Kopf spuckte und jetzt irgendwo Absolution suchte und das Ganze auch noch unter seinem vollem Namen, am besten mit Adresse abschloss. Wunderbar! Was man da alles zusammensuchen kann. Aber ich schweife ab.

Es gab zwar zwei Dutzend Birgits in Buxtehude, und einige hätte ich mir vielleicht sogar angesehen, aber die Birgit, die ich suchte war nicht dabei. Und wieder kam der Psion zum Zuge. Da hatte ich doch mal aus einer alten Telefondatenbank von 1997 doch tatsächlich den ganzen Ort exportiert und als Psiondatenbank gespeichert. Und das für alle mir wichtigen Orte. Damals durften die CD`s das zwar bestimmt auch nicht, aber es war noch möglich.

Und tatsächlich. Der Psion brauchte zwar eine ganze Zeit, bis er alle Datensätze durchforstet hatte, aber er fand 37 Birgits und die konnte ich schnell auf 5 reduzieren, der dritte Anruf war erfolgreich.

Jetzt konnte ich in die Datenbank zwei neue Kinder eintragen, den Mann rausnehmen und ein paar Notizen hinzufügen.

Ich bin ja mal gespannt, was so in zwanzig Jahren los ist. Ob ich mich dann mal hinsetze und alle Datensätze aktualisiere? Als neues Hobby?

OK, weit hergeholt – aber vielleicht geht es euch auch mal so und dann ist es gut, überhaupt eine Adressdatenbank zu haben.

Jürgen Rode
p|s|i|o|n|w|e|l|t


Es ist erschreckend.
Freitag, den 02. August 2002

Wenn man die Nachrichten über die Einbrüche im PDA-Geschäft liest, kann einem schon das Grausen kommen.

Und wer gar Aktien der einstigen Vorzeigeunternehmen hält, dem brauche ich wohl nichts mehr erklären.

Marktbereinigung nennen das die Fachleute.

Palm verbilligt seine PDAs, die Lager sind übervoll, die Händler sitzen auf der Ware und neue Produkte sind schon angekündigt, die Preise fallen – die Gewinne auch.

Einige Hersteller ziehen schon angekündigte Geräte wieder zurück oder stellend die Produktion ein. Dell kündigt ein eigenes Produkt an, wer genauer hinschaut erkennt, daß hier nichts Neues entsteht, sondern ein bestehendes Produkt wohl unter neuem Label kommen wird. Vielleicht mit einigen Features mehr, aber nichts wirklich Revolutionäres zu erwarten ist.

Der Markt ist gesättigt, die eigentlichen Kundenbedürfnisse weitgehend befriedigt.

Die Psiongemeinde zeigt das recht gut. Obwohl die Serie 5 weiter produziert wird, es keinerlei Neuerungen gibt, sind die User mit dem, was die Produkte liefern, noch nach Jahren der Konkurrenz ebenbürtig, ja vielleicht sogar immer noch voraus. Die Grundbedürfnisse: Agenda, Datenbank, Tabelle, eMail und Web beherrschen die kleinen Kästen meist besser als die neusten Konkurrenzprodukte.

Und doch verabschieden sich alte Weggefährten, dem Spieltrieb folgend, zu neuen Produkten. Manchmal erreichen uns noch reuevolle Mails und gelegentlich sogar die Frage: Gibt es die Psion-Agenda für den Sony oder Palm...

Da denkt man sich dann seinen Teil.

Bislang ging die Rechnung der Konzerne wahrscheinlich nicht auf. Obwohl immer wieder neue Bedürfnisse geweckt wurden, können oft die Erträge aus dem PDA-Geschäft die Entwicklungskosten kaum decken. Da werden MP3-Player eingebaut oder gar Videobetrachter als tollstes Feature wie Sauerbier umworben. Da gibt es Kameras zum Aufstecken und GPS integriert. Bluetooth, WLAN, alles inklusive.

Das die Speicher meist gar nicht ausreichen, die Batterielaufzeiten kurz sind, davon spricht man nicht. Auch der Datenabgleich mit dem PC wird großgeschrieben und gibt es dann doch Probleme, steht der Normaluser auch bei Marktführern schnell im Regen.

Ausgereifte Systeme sind da oft Mangelware.

Und doch komme ich mir da mit meinem Dinosaurier Serie5 immer noch gut aufgehoben vor. Die Softwareauswahl ist riesig und GPS, Handy und Digitalfoto arbeiten schon seit Jahren mit meinem persönlichen Assistenten, den ich gerne auch meinen Freund nenne.

Was mich aber ärgert, ist, daß viele Softwareschmieden das Psiongeschäft wohl aufgegeben haben. Na klar, nur die neuen Geräte bescheren neue Absatzmärkte. Aber was ist mit den Altusern, denen Updates versprochen wurden? Das wäre ja auch gar nicht so schlimm, wenn es nicht User gäbe, die bereit wären UNENTGELTLICH die vorhandenen Programme zu verbessern oder zu ergänzen. Oft kreisen schon Programme mit Farbe oder neuen Features durch die Psiongemeinde, ohne das sie autorisiert sind, weil die Softwareschmieden und Programmier nicht einmal bereit sind, ein fremdes Update zur Verfügung zu stellen. Es wäre nur fair, solche Programme zum Open Source Code zu machen und damit den Usern die Chance zu geben, eine legale Weiterentwicklung zu betreiben.

Also liebe Ex-Psioten, die ihr mal ein gutes Programm entwickelt habt: Gebt eure Programme doch frei und helft so, die Psioten weiter bei der Stange zu halten.

Jürgen Rode
p|s|i|o|n|w|e|l|t


Papa, die Welt ist schön...
Donnerstag, den 25. Juli 2002

Aktiencrash, Firmenpleiten, Arbeitslosigkeit, Krieg in Israel, Atommüll, Zerstörung der Umwelt, Flughafenausbau, Schadstoffbelastung, Skandal, Unterschlagung, Schwarzgelder, Bestechung, Rufmord...

Die Medien sind voll davon, der Kopf schwirrt mir.

Wie den positiven Gedanken im Kopf behalten, Dunkelheit droht.

Düsternis und Hoffnungslosigkeit.

Nur nicht davon gefangen nehmen lassen.

Ablenkung um jeden Preis. Lass uns unser Leben genießen, das sauer verdiente Geld ausgeben. Her mit den Spielzeugen des 21. Jahrhunderts. Moderne Männerspielzeuge. Um jung zu wirken muss man es den jungen Leuten nacheifern. Handy, Mp3-Player, Piercings.

Doch sogar die Loveparade ist schon normal. Nichts schreckt mehr. Über einen Punk schaut man heutzutage hinweg.

Ernüchterung macht sich breit. Dann kommt die Angst. Angst ums eigene Wohlergehen, um den eigenen Wohlstand, das Auskommen, die Arbeit, die Gesundheit.

Sparen ist angesagt.

Die schöne neue Multimediawelt suggeriert es uns zwar immer noch, aber der Handymarkt lahmt und die PDAs stehen vor dem Kollaps. Die Absatzzahlen sind vernichtend und wieder einmal hat Harry Potter früh die Zeichen der Zeit erkannt. Psion hat vor einem Jahr die Reißleine gezogen und die Entwicklung neuer Taschencomputer auf Eis gelegt. Zu einem Zeitpunkt, wo der ruinöse Kampf bei Pocket-PC und Palm erst so richtig losging. Die Liebhaber und Psion-Junkies stört das nicht, doch der Markt und neue Kunden prellt dieses Verhalten. Die Karawane zieht weiter und schon müssen immer neue Features in die Produkte eingebaut werden, um überhaupt noch Kunden zu finden. Da gibt es Mobiltelefone mit GPS und PDA, oder ist es eher ein PDA mit dem man telefoniert – wer braucht es?

Einzelne.

Aber der Massenmarkt ist satt.

Das Dinosauriersterben hat begonnen.

Wie zu Zeiten Ataris und Commodore,

wie bei Video2000 und Betamax,

wird sich nicht das beste, stabilste System durchsetzen.

Zurück bleiben Liebhaberseiten im Internet, Cons und Treffen.

Für uns Psioten bleibt Hoffnung. Hoffnung das mit Symbian das bessere Betriebssystem eine Chance bekommt. Und das der Zauberlehrling Harry vielleicht doch noch einmal, wenn die Zeichen der Zeit besser stehen, ein Kaninchen aus dem Hut zaubert.

Und doch ist all das so unwichtig.

An einem der in diesem Jahr so seltenen, regenfreien Sonntagen versprach ich meiner 6 jährigen Tochter eine Kajaktour. Um nicht zu weit zu fahren, fuhren wir an die Nidda. Das ist ein sehr kleiner Fluss, ja eher ein größerer Bach in der Nähe von Frankfurt. Bislang hatte es mich noch nie an die Nidda verschlagen und ich war überrascht, dass nur 15km von Frankfurt ich eine solche Ruhe und Einsamkeit erleben konnte.

Wir paddelten mit 6km/h dahin, ließen uns treiben.

Entenküken flohen vor uns. Frösche platschten ins Wasser.

Alles schon einmal gesehen – So richtig genießen konnte oder wollte ich es nicht,

und doch, in all der Stille, die nur vom Insektengesumm gestört wurde, kehrte nach und nach Ruhe auch in uns ein.

Und dann sprach das kleine Mädchen vor mir in diese Stille hinein die bedeutungsschweren Worte, die seit diesem Tage mich begleiten: „Papa, die Welt ist schön“

Ach, könnten wir die Welt noch einmal mit den Augen eines Kindes sehen,

es ginge uns allen besser. Unsere Tage wären ruhiger.

Denn kein Mensch braucht Gewalt und Streit und Krieg und Armut und Hunger und Tod.

Und seien wir ehrlich: Auch keine PDAs oder Handys.

Jürgen Rode
p|s|i|o|n|w|e|l|t


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